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Im Internet gibt es Tipps rund ums junge Gemüse 

Friedrichsort (pkr) Früher, als er seinem Vater beim Umgraben im Garten helfen musste, wollte er am liebsten "nichts damit zu tun haben", doch seit 23 Jahren pflegt Richard Niegsch nun selbst
seine Liebe zu jungem, frischem Gemüse. Und wenn der 51-Jährige Fernmeldetechniker sich
nicht gerade zwischen Paprika, Tomaten und Auberginen herumtreibt, sitzt er am Computer. Also warum nicht diese beiden Leidenschaften verbinden, dachte sich der Friedrichsorter und sicherte
sich vor zwei Jahren seine eigene Homepage. Unter richards-garten.de  zeigt er nicht nur, was auf seinen rund 800 Quadratmetern alles gedeiht, sondern gibt auch viele Tipps rund ums Gemüse. 

Als er 1978 das kleine Siedlungshaus in Friedrichsort kaufte, war die
Gartenarbeit für ihn aber noch etwas, "das gemacht werden musste. Denn vorher
hat hier ein Baggerführer gewohnt, was man wirklich sehen konnte", erzählt
Niegsch. Dabei verrieten ihm die alten Leute in der Nachbarschaft viele Tipps und
Tricks. Doch der Gartenfreak in ihm erwachte erst mit seinen Gewächshäusern,
die er nach dem Tschernobyl-Unglück baute. "Da wollte ich das Gemüse, schon
wegen meiner dreijährigen Tochter Ann-Kristin selber ziehen." Die Kartoffel
machte den Anfang. Inzwischen hat er viel herumexperimentiert und erntet
Porree, Bohnen, Knollensellerie, Tomaten, Paprika, Gurken, Auberginen,
Möhren, Radieschen, Rettich, Blattsalat, Kräuter, Melonen und Erdbeeren. Für
deren Pflege verzichtet er sogar auf seinen Urlaub: "Länger als drei bis vier Tage
kann ich den Garten nicht alleine lassen." Wahrscheinlich könnte er auch gar
nicht mehr ohne. Denn wenn andere vor dem Fernseher hocken, kümmert er sich
um seine Sprösslinge. Dabei hilft ihm eine kleines Flutlicht, das über die Beete
strahlt. Trotz aller Liebe und Leidenschaft ist er bisher am Blumenkohl
gescheitert. "Der war voll mit Raupen, und spritzen will ich nicht", sagt Niegsch. 
Richard NiegschMit der Ernte aus dem eigenen Garten kommt die Familie durchs ganze Jahr.
Vieles wird von seiner Frau Sigrid eingefroren, für die die Beete ansonsten
Sperrgebiet sind. "Wenn sie mir geholfen hat, war das wie im Film: Sie hat alles
weggepflückt, was man stehen lassen sollte", begründet Niegsch. 

1988 kam der Garten in den Computer. Erst nummerierte Niegsch alle seine
Beete durch und erstellte noch in Basic an seinem C64 einen Pflanzplan, um die
Fruchtfolge regelmäßig zu verändern. "Als ich damit anfing, haben mich viele
ausgelacht", erinnert er sich. Mit dem Internet bot sich ihm endlich die
Gelegenheit, seine mühsam gemachten Tricks weiterzugeben und Erfahrungen
mit anderen auszutauschen. Denn schon immer hatte es ihn geärgert, dass "die
Gartentipps, die man im Fernsehen oder Zeitschriften bekommt, weit weg von der
Wirklichkeit sind". Auch was den 1,20 Meter tiefen Teich betrifft, in dem
Goldfische, Sumpfschildkröten und Flusskrebse wohnen, hätte er alles verkehrt
gemacht, wenn er sich an die Prospekte gehalten hätte. Im Januar hat er sich bei
den Suchmaschinen eintragen lassen, damit er künftig von gleichgesinnten
Surfern besser im World Wide Web zu finden ist. Und die 300 bis 500 Zugriffe auf
seine Homepage pro Woche geben ihm Recht.

Gartenfans können sich mit Richard Niegsch unter
http://www.richards-garten.de austauschen.